Heraklia
Eingebettet zwischen Bergen und Olivenhainen liegt der Bafa-See und das antike Herakleia am Latmos.

Wer Kusadasi und die dicht besiedelte ägäische Küste hinter sich gelassen hat, findet gleich hinter Söke am Bafa-See ein landschaftliches Paradies, in dem der Tourismus nur spärlich vertreten ist. Unterhalb der Straße liegen am Westufer nur ein paar Campingplätze und eine (Dr. Koch) Ferienanlage. Von Bodrum über Milas kommend, biegt gleich hinter Selimiye eine Straße nach Herakleia ab.

In der Antike war der Bafa-See noch der Latmische Meerbusen. Durch das Abholzen der Berge und die damit verbundene Erosion schwemmte der Büyük Menderes Erde und Geröll an und trennte so die Bucht vom Meer. Am Nordufer des Sees erhebt sich das Latmos-Gebirge, das wegen seiner eigenartig ausgefransten Gipfel von den Türken Bes(ch)parmak Daglari, Fünfingergebirge, genannt wird.

Tonscherben, die man hier fand, deuten auf eine Besiedlung schon im 6. Jahrhundert v.Chr. hin. Am Ufer unterhalb des Latmos-Gebirges erhebt sich die Stadtmauer (bis zu 3 Meter dick) der antiken karischen Stadt Herakleia, vom König Mausolos im 3. Jahrhundert v.Chr. im Norden seines Reiches zur Grenzbefestigung ausgebaut. In byzantinischer Zeit lebten in seinen zahlreichen Höhlen fromme Einsiedler. Ihre Behausungen schmückten sie mit Wandmalereien, die man heute noch sehen kann. Auch auf den vier Inseln im See befinden sich Reste klösterlicherSiedlungen.

Das Latmos-Gebirge ist auch der Ort der Endymion-Sage. Danach gab Zeus dem König von Elis, Endymion, die einzigartige Gelegenheit, über sein Schicksal zu entscheiden. Endymion beschloß, für immer zu schlafen, ohne zu altern. In einem teilweise in Fels gehauenen Grab auf dem Berg Latmos soll er seinen Ruheplatz gefunden haben.

Der 15 Kilometer lange und halb so breite Bafa-See ist auch ein Naturreservat mit seltenen Vögeln, Wassertieren und Pflanzen. Allein 256 Vogelarten wurden bisher gezählt, unter ihnen zahlreiche Seidenreiher, die dort in Kolonien brüten. In der Abenddämmerung fallen in den seichten Uferzonen zudem viele Pelikane auf.

Wenige Kilometer von der Kreisstadt Milas liegt an der Straße zwischen Bäumen der Zeustempel von Euromos, der zu den besterhaltenen Sakralbauten des Landes zählt. Die Hälfte dereinst 32 korinthischen Säulen steht noch. Über die Stadt Euromos, zu der das Heiligtum gehörte, weiß man dagegen wenig; sie liegt zum größten Teil unter Olivenbäumen und Macchia-Gestrüpp verborgen. Archäologen der Universität Ankara sollen angeblich bemüht sein, sie auszugraben. Der Autor dieser Seiten konnte dort jedoch in den letzten 5 Jahren keinen Fortschritt entdecken.